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Mehr KISS, weniger Stress im Familienalltag (Mindset Teil 2)

Aktualisiert: 1. Nov. 2023

Ein gutes Zeitmanagement alleine reicht nicht. Diverse Tricks und Tools helfen Dir nur bedingt, Deinen Familienalltag zu entlasten bzw. Dein Stressempfinden zu reduzieren. Neben den Zeitmanagement-Hacks spielt vor allem auch Dein Mindset, Deine Einstellung eine große und wichtige Rolle.


Das KISS-Prinzip wird im Projektmanagement, in der Produktentwicklung und in der Werbung eingesetzt. Warum dann nicht auch im Familienmanagement? Das KISS-Prinzip hilft Stress zu reduzieren. Nicht unbedingt leicht für Perfektionisten und Perfektionistinnen umzusetzen, aber vielleicht bist Du ja bereit für eine neue Herausforderung und akzeptierst die Challenge?


8 Prinzipien der modernen Elternschaft


Das agile Manifest beschreibt 12 Prinzipien (diese kannst Du hier nachlesen), von denen sich agile Entwickler bei der Arbeit leiten lassen sollen. Ich habe daraus 8 passende Prinzipien für die moderne, agile Elternschaft formuliert. Das KISS-Prinzip ist das 5. Prinzip.



1. Prinzip: Heiße Änderungen Willkommen


Ich weiß, dass es nicht unbedingt einfach ist. Aber in der heutigen Zeit und mit mehreren Familienmitgliedern ändert sich ständig etwas oder es passiert etwas Ungeplantes bzw. Unvorhersehbares. Und daher wäre es einfacher, wenn Du es schaffst, Änderungen nicht gleich als Katastrophe anzusehen. Wir sollten lernen, Änderungen anzunehmen, zu akzeptieren und das Beste daraus zu machen. Sich darüber aufzuregen und zu jammern hilft nicht weiter. Versuche Veränderungen im Plan als Herausforderungen zu sehen, als persönliche Challenge:

Frage Dich nicht, ob Du das schaffst, sondern wie. Wie kannst Du das Beste aus dieser neuen Situation machen? Was würde Dir jetzt gut tun und wie kannst Du das erreichen?



2. Familie als interdisziplinäres Team


In der Softwareentwicklung gilt ein interdisziplinäres Team als enorm wichtig für eine erfolgreiche Projektarbeit. Die Teammitglieder können voneinander lernen und sich gegenseitig etwas abschauen. Die unterschiedlichen Stärken und Talente der Mitglieder fördert die Kreativität im Team. Es geht nicht darum, den anderen umbiegen zu wollen. Jeder hat eine andere Aufgabe im Team und nur zusammen ist man stark und erfolgreich.


Unsere Familie kann ebenfalls als interdisziplinäres Team gesehen werden. Die Familienmitglieder sind unterschiedlichen Geschlechts, unterschiedlichen Alters und haben unterschiedliche Stärken und Talente. Jeder bringt etwas anderes in die Familie ein und das ist wertvoll und gut.



3. Viel persönliche Kommunikation


Der beste und umfassendste Austausch ist der persönliche Austausch von Angesicht zu Angesicht. Kommunikation ist überall wichtig und besonders in der Familie. Wir sollen MIT unseren Kindern kommunizieren und nicht nur über sie oder von oben herab in einen Monolog verfallen, nach dem sie am Schluss nur noch „Ja“ oder „Nein“ sagen dürfen. Wir wollen auf Augenhöhe kommunizieren und eine gemeinsame Sprache sprechen. Wir versuchen Dinge zu erklären, Gefühle zu beschreiben und wenn möglich gemeinsame Lösungen zu finden. Wir wollen ihre Meinung hören und wenn möglich auch berücksichtigen oder zumindest einen guten Kompromiss für alle finden.


Gerade auch mit älteren Kindern, Teenagern, ist es wichtig, immer wieder das persönliche Gespräch zu suchen und nicht nur per Whats App, Sprachnachrichten oder mit Notizzetteln zu arbeiten. Persönliche Gespräche führen meistens weniger zu Missverständnissen als die digitale oder schriftliche Kommunikation und Du kannst auch gleich die direkte Reaktion Deines Kindes beobachten, wie Deine Themen und Ansichten bei ihm angekommen sind.



4. Vertrauen, ermutigende und unterstützende Umgebung


Menschen und natürlich auch insbesondere Kinder brauchen Ermutigung um selbstbewusst aufwachsen und sich weiterentwickeln zu können. Traue Deinem Kind etwas zu, ermutige es etwas Neues auszuprobieren und zu lernen und gib ihm die Unterstützung, die es benötigt.

Versuche nicht alles zu kontrollieren, vertraue darauf, dass Dein Kind selbst einen guten Weg für sich finden kann und akzeptiere, wenn es einen anderen Weg wählt. Dein Kind möchte wissen, ob es Fehler machen darf und ob Du da bist, wenn es Hilfe braucht.


Beispiel Nr. 1:

Mama: „Du hast keine Lust, den Geschirrspüler auszuräumen?“

Tochter: „Doch, aber ich kann nicht.“

Mama: „Was meinst Du damit, dass Du nicht kannst?“

Tochter: „Ich komme nicht an den Schrank mit den Gläsern.“

Mama: „Verstehe. Was könntest Du denn tun, damit Du da doch rankommst?“

Tochter: „Ich kann vielleicht einen Stuhl holen!“

Mama: „Das ist doch eine prima Idee.“


Beispiel Nr. 2:

Mama: „Du hast keine Lust, den Geschirrspüler auszuräumen?“

Tochter: „Doch, aber ich kann nicht.“

Mama: „Was meinst Du damit, dass Du nicht kannst?“

Tochter: „Ich weiß nicht, wo diese Schale hinkommt!“

Mama: „Verstehe. Ich kann Dir zeigen, wo die Schale hinkommt.“

Tochter: „Oh ja, gerne!“


Vielleicht fehlt Deinem Kind nur etwas an der Ausstattung (Stuhl) oder am Wissen (wo kommt etwas hin), um die Aufgabe erledigen zu können.


5. KISS


Das Akronym KISS steht für Keep It Simple, Stupid. (auf deutsch: Halte es so einfach wie möglich.)

Das KISS-Prinzip besagt, dass man stets die einfachste Lösung eines Problems nutzen sollte. Klingt das nicht erleichternd und simpel?


Im Familienleben sieht es häufig so aus: je komplizierter -> desto aufwendiger -> desto weniger Zeit für andere Dinge

-> desto mehr Stress und Zeitdruck


Frage Dich immer: Wie groß muss der Aufwand wirklich sein, um alle geforderten Anforderungen umzusetzen?


Und die zweite Frage: Handelt es sich um Tatsachen oder Annahmen?

Das ist sehr spannend und entscheidend. Sind das irgendwelche Erwartungen von außen, die an mich gestellt werden? Und muss ich die wirklich erfüllen? Oder will ich die wirklich erfüllen?


Du kannst dann auch noch weitergehen: Was passiert, wenn ich sie nicht erfülle? Was für positive Folgen habe ich, wenn ich es einfacher halte?



6. YAGNI: You Ain’t Gonna Need It


Auf deutsch heißt YAGNI „Du brauchst es nicht!“.


Mit der gleichen Intensität, mit der Du hinterfragst, ob Du die einfachste Lösung gewählt hast, solltest Du Dich auch fragen, ob Du etwas überhaupt benötigst bzw. machen musst.


Viele Perfektionisten und Perfektionistinnen denken gerne immer ein paar Schritte voraus und entwickeln einen Plan B, C und D oder verkomplizieren die Aufgaben mit zusätzlichen Aufgaben „nur für den Fall, dass wir xy brauchen“ oder zumindest „irgendwann einmal brauchen werden“. Dabei helfen Dir diese 5 Wörter: „You Aren’t Gonna Need It“.


Durch die Umsetzung des YAGNI-Prinzips lässt sich Zeit sparen und treibt größere Projekte schneller voran. Solltest Du als Perfektionist oder Perfektionistin dennoch die Angst bekommen, keinen Plan B, C, D und E vorsichtshalber in der Tasche zu haben, die vielleicht gebraucht werden könnten, kann es Dir helfen, wenn Du Dir vor Augen führst, wie viel Arbeit aktuell noch ansteht und was der nächste wichtige Schritt ist.


Werde Dir bewusst, wie viel Zeit Du möglicherweise damit verschwendest, Pläne (B-E) auszuarbeiten, die Du vielleicht niemals brauchst. Und wenn Du dann doch Plan B brauchst, dann kannst Du den Plan zu diesem Zeitpunkt ausarbeiten. Dann ist er auch nicht umsonst.



7. Jeder gibt sein Bestes


Eine der wichtigsten Grundhaltung als systemischer Coach: Jeder gibt sein Bestes, was er/sie in dem Moment gerade kann.


Und diese Haltung kann ich Dir auch nur als Mama oder Papa empfehlen.

Auch wenn es manchmal nicht so wirkt, aber wir sollten uns klar machen und davon überzeugt sein, dass jeder im Rahmen der in der jeweiligen Situation verfügbaren Mitteln, den bekannten Informationen und seinen Fähig- und Fertigkeiten sein Bestes gegeben hat.

Manchmal hat die Tochter überreagiert, weil sie zu wenig gegessen hatte. Manchmal hat der Sohn einen Schreikrampf, weil er sich schon den ganzen Tag in der Kita zusammenreißen und an Regeln halten musste und manchmal hat der Partner, die Partnerin keine Lust mehr auf ein Gespräch, weil das Zubettbringen des Kindes zu lange gedauert hat und er/sie jetzt erschöpft, müde und ausgelaugt ist.



8. Regelmäßig reflektieren


Ein Team, welches regelmäßig gemeinsam reflektiert, kann seine Zusammenarbeit bzw. sein Zusammenleben verbessern. Man versteht die anderen und deren Gefühle besser und kann schließlich darauf eingehen. Ich kann Euch nur wärmstens unsere Kakao-Konferenz empfehlen. (Artikel folgt in Kürze)


Also in diesem Sinne mehr KISS und weniger Stress.


P.s. Hast Du Lust an meinem Workshop zum Thema "Familienmanagement mit agilen Methoden und positiver Psychologie - Impulse und Tools zur Erleichterung der Familienorganisation und Reduzierung des Mental Loads" teilzunehmen? Termine folgen in Kürze. Melde Dich gerne schon mal bei meinem Newsletter an, damit ich Dich über die Termine informieren kann.


Deine Nicole











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