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Wie Agilität unser Familienmanagement erleichtert und bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf hilft

Hast Du Dich schon mit Agilität beschäftigt?

"Hääää? Ich bin doch kein Software-Entwickler oder IT-Spezialist!", denkst du vielleicht jetzt.
Macht nichts. Aber was Du unbedingt wissen solltest, agile Methoden können auch unser Familienleben erleichtern. Und Du kannst diese auch anwenden, selbst wenn Du vorher noch nichts mit Agilität zu tun hattest. Ich werde Dir eine Schritt-für-Schritt-Anleitung geben und mich einfach ausdrücken. Versprochen! Denn schließlich wollen wir uns das (Familien-)Leben ja erleichtern und nicht verkomplizieren, oder?

Agiles Denken und agile Methoden helfen uns, komplexe Situationen besser managen zu können. Viele Unternehmen haben das erkannt und Agilität spielt nicht mehr nur in der Software-Branche eine Rolle. Dieses Thema wird zunehmend wichtiger, da sich die digitale und dynamische Welt immer schneller dreht und die Unternehmen und ihre Mitarbeiter vor immer größeren Herausforderungen stehen.

Findest Du nicht auch, dass unser Familienalltag mindestens genauso komplex ist? Was ist denn schon komplexer als der Familienalltagswahnsinn? (Text geht noch weiter.)

Wir sind mehrere Personen mit unterschiedlichen Bedürfnissen, Wünschen, Geschlechtern, Alter, Kompetenzen und Stärken. Wir sind quasi ein interdisziplinäres Team. Und ständig passiert etwas Unvorhergesehenes: Läuse in der Kita, eine Verabredung sagt ab, Schulausfall wegen Glatteis, Busstreik, das Wetter ist schlechter als erwartet, Opa liegt im Krankenhaus, Kind bekommt Fieber, eine Freundin hat eine Notlage und übernachtet mehrere Nächte bei uns, das Auto geht kaputt, das Kind hat eine Klausur vergessen und muss dringend üben, wir haben eine Präsentation für die Arbeit noch nicht fertig und müssen spontan noch mal ins Büro bzw. an den Laptop. Und da soll man noch den Durchblick behalten und gelassen bleiben? Kann Vereinbarkeit so überhaupt gelingen? Ja, es ist möglich! Und wie erkläre ich Dir noch. Fangen wir erstmal von vorne an.
 

Was ist Agilität?

Das Wort agil kommt aus dem lateinischen und steht für „flink“, „beweglich“.

Agilität bedeutet flexibel auf veränderte Bedingungen zu reagieren, neue Möglichkeiten in Betracht zu ziehen, sich anzupassen, kontinuierlich zu lernen und sich weiterzuentwickeln.

Mit Agilität wird folgendes verbunden:

  • Flexibilität

  • Anpassungsfähigkeit

  • Initiatives und proaktives Agieren

  • Dynamisches Arbeiten

  • Geschwindigkeit

  • Interdisziplinäre Teams

  • Selbstorganisierte Teams

  • Vertrauen

  • Transparentes Arbeiten

 

Und was ist nun agiles oder auch flexibles Denken?

Ein agiles Mindset ist offen gegenüber neuen Ideen, alternativen Lösungen und Fehlern. Es sieht keine Aufgabe als unlösbar an und akzeptiert, dass Veränderungen permanent stattfinden. Es möchte sich stetig weiterentwickeln und ist dafür auch bereit, bekannte Wege zu verlassen. Es beschreibt eine innere Haltung, die Veränderungen, Probleme und Ungewissheit nicht nur aushält und akzeptiert, sondern darin auch Chancen sieht, sich weiterzuentwickeln und zu wachsen.

Es gibt große Ähnlichkeiten zwischen Projektmanagement und Familienmanagement!

Auch für unser Familienmanagement kann eine agile Haltung extrem hilfreich sein. Hier ist es wichtig, dass man die agilen Werte (dazu komme ich noch mal gesondert) verinnerlicht und lebt und sich von einigen Erwartungen oder bestimmten Haltungen wie „das muss so oder so sein“ oder „das haben wir schon immer so gemacht“ entfernen oder sogar verabschieden kann. Und weißt Du was? Das kann unglaublich befreiend sein, glaube mir.

Für alle, die sich in der agilen Welt noch nicht so auskennen, mache ich mal einen ganz kurzen Ausflug zur Gründung des agilen Manifests.

1994 hatte man bei Untersuchungen von Erfolgen und Misserfolgen in IT-Projekten (Chaos-Studien der Standish Group) erschreckender Weise herausgefunden, dass nur 16% der IT-Projekte in vorgesehener Zeit, Qualität und Budget abgeschlossen wurden. Der Grund dafür ist, dass es zu viele unbekannte Größen bei solchen Projekten gibt, als dass man von Anfang bis Ende alles durchplanen kann. Die Projekte sind zu komplex: Anforderungen, Marktgegebenheiten oder die Bedürfnisse der KundInnen verändern sich ständig. Und so trafen sich 2001 17 engagierte Software-Entwickler in Utah um mit dem agilen Manifest dafür zu sorgen, dass IT-Projekte zukünftig flexibler gestalten werden können. Die Entwickler sollen besser und schneller in der Lage sein auf Veränderungen einzugehen, um so die Projekte erfolgreicher abschließen zu können. Das agile Manifest verankert 4 Grundwerte und 12 Prinzipien des agilen Arbeitens (wenn es Dich interessiert, kannst Du das hier nachlesen).

Geof Lory ist ein amerikanischer Autor, Agile Coach und Project Manager. Da er nicht nur über Projektmanagement, sondern auch über Elternschaft schreibt, kam er nicht umhin, die Ähnlichkeiten zwischen dem Spektrum der Projektmanagementansätze und denen der Elternschaft zu sehen. Jede Familien-Situation scheint wie ein separates Projekt mit seinen eigenen einzigartigen Merkmalen und dem entsprechenden Bedarf an Struktur. Sicherlich ist jedes Kind einzigartig und verdient daher zumindest die bewusste Überlegung, wie viel Starrheit und Struktur notwendig oder gerechtfertigt sind. Um den besten Ansatz für die jeweilige Situation zu wählen, solltest Du die Wünsche und Bedürfnisse aller Familienmitglieder einigermaßen kennen und verstehen. Aber das reicht noch nicht. Der Schlüssel zu einer agilen Elternschaft liegt vor allem darin, offen zu sein und alternative Ansätze in Betracht zu ziehen, anstatt starr einem vorgegebenem Plan / Muster zu folgen. Die Parallelen zwischen einem komplexen Projekt und einer komplexen Familiensituation haben Geof Lory nachdenklich gemacht und er hat sich gefragt, ob eine Liste von Grundprinzipien für die Erziehung nicht genauso hilfreich sein könnten wie für das agile Projektmanagement.

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Werte und Prinzipien für agile Eltern

Geof Lory verfasste schließlich in Anlehnung zum agilen Manifest ein Manifest für die agile Elternschaft (Geof Lory´s „Manifesto for Agile Parenting“), welches Du hier nachlesen kannst (Chart 3).

Ich fand den Ansatz von Geof Lory sehr inspirierend und habe auf Grundlage dessen auch für unsere agile Familie entsprechende Werte und Prinzipien (diese kannst Du in meinen Blogartikeln: Mindset Teil 1 und Mindset Teil 2 nachlesen) formuliert. Hierfür habe ich mich auch an der bedürfnisorientierten Erziehung sowie gewaltfreien Kommunikation orientiert.

Agilität ist unsere Antwort auf die Frage nach der Vereinbarkeit von Familie und Beruf!

Neben den agilen Werten und Prinzipien haben wir auch noch unseren Familienrat (hierzu wird noch ein Blogartikel entstehen) und das Familienboard (hierzu wird noch ein Blogartikel entstehen) eingeführt.

Hinter dem Familienrat, den wir zu Hause auch liebevoll Kakao-Konferenz nennen, verbirgt sich die Retrospektive aus der agilen Arbeitswelt. Auch hierfür haben wir als Familie eigene Werte vereinbart.

Und in Anlehnung an eine Kanban- oder Scrum-Planung im agilen Team arbeiten wir mit einem Familienboard um unsere Woche zu planen. Dafür verwenden wir abwischbare Magneten, damit wir jederzeit auf Änderungen und Unvorhergesehenes reagieren können. Post Its tun es natürlich auch. Hauptsache Aufgaben können flexibel von A nach B und nach C verschoben werden.

Bei der Vereinbarkeit zwischen Familie und Beruf kommen viele Fragen und Entscheidungen auf uns als Familie zu:

  • Wer arbeitet wie viele Stunden?

  • Wer ist wann verhindert (Arztbesuch, Dienstreise etc.)?

  • Wie viele Stunden wird das Kind / werden die Kinder betreut?

  • Wie decken wir Schließzeiten / Ferien und Krankheitstage des Kindes ab?

  • Wer übernimmt welche Aufgaben im Haushalt?

  • Wie finden wir Zeit für Hobbies, Me-Time, Paarzeit, Exklusivzeiten mit einem Kind?

  • Wie und wann können wir Wünsche (z.B. Ausflüge) erfüllen?

Viele Familien versuchen es mit einer guten Planung und einer durchgetakteten Woche, einige haben auch ihre Eltern, die bei der Betreuung der Kinder mithelfen können. Aber viele Familien empfinden den Familienalltag dennoch sehr anstrengend. Sie fühlen sich getrieben, haben ständig ein schlechtes Gewissen und bei einer unvorhergesehenen Planänderung bekommen sie Schweißausbrüche. Gleichzeitig wird der Wunsch nach mehr Leichtigkeit und Lebensfreude immer größer.

Aber wie soll man das schaffen?

 

Seitdem wir unser Familienleben agiler gestalten und mit unserer Kakao-Konferenz und dem Familienboard ein regelmäßiges Austausch-Treffen aller Familienmitglieder haben, hat sich unsere Kommunikation total verändert und verbessert. So haben wir die Chance, besser auf alle Wünsche und Bedürfnisse der Familienmitglieder einzugehen. Die Kinder fühlen sich ernst genommen und gleichberechtigt.

Jeder sieht was der/die andere macht und wie viel er/sie macht und alle erkennen auf einen Blick, wenn der Tag viel zu voll gepackt ist. Wir können dann gemeinsam überlegen, welche Aufgabe wir vielleicht in einen anderen Tag schieben bzw. ob vielleicht ein/e andere/r die Aufgabe übernehmen kann.

Vereinbarkeit und Leichtigkeit ist nur möglich, wenn wir flexibel agieren und nicht starr einem Plan folgen. 


Ich gebe Impulsvorträge und Workshop zum Thema Familienmanagement mit agilen Methoden und positiver Psychologie - für mehr Freude und weniger Stress im Familienalltag.

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Deine Nicole

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